Alternative Zeit- und Zeitwahrnehmungskonzepte
- ein Streifzug
Die in diesem Buch vorgestellte Intensivierung der Zeitwahrnehmung
geht von dem üblichen Zeitverständnis aus. Es
wird lediglich versucht, subjektiv mehr Zeit erlebbar zu
machen. Trotzdem mag dieser Versuch vielleicht zunächst
befremdlich wirken. Ist es denn wirklich möglich, sein
Zeitempfinden subjektiv zu prägen und damit zu intensivieren?
Kann Zeit überhaupt derart subjektiv verstanden werden?
Ein solches Misstrauen ist verständlich. Sind wir doch
spätestens seit Newton, eigentlich aber schon durch
die Einführung von Kloster- und später Dorfuhren
im Mittelalter auf die scheinbar objektive Zeit ausgerichtet
worden.
Unser Streifzug wird indessen zeigen, dass der Grundgedanke
keineswegs neu ist und manche Autoren sogar mit einer veränderten
Zeitkonzeption darüber hinaus gehen. Wesentliche Inhalte
des Konzepts der intensiven Wahrnehmung der Gegenwart sind
spätestens seit dem 19. Jahrhundert bekannt, wenn nicht
sogar seit der Antike. Allerdings beschränken sich
die im Folgenden zitierten Denker meist darauf, theoretische
Zeitkonzeptionen zu entwickeln oder Phänomene einer
alternativen, intensiven Zeitwahrnehmung zu beschreiben.
Dass man eine andere, intensive Zeitwahrnehmung auch bewusst
suchen kann, wird jedenfalls im europäischen Kulturkreis
eher am Rande erwähnt.