IV. Ist Zeit umkehrbar?
Die soeben erwähnten Passagen beziehen sich auf den
praktischen, empirisch belegbaren Umgang mit Zeit durch
einzelne Menschen. Von diesem praktischen Umgang ließe
sich freilich eine Brücke schlagen zu dem vor allem
in der Literatur widergespiegelten Empfinden einer nichtlinearen
Zeit (vgl. Annette und Linda Simonis aaO) und von dort entweder
zu einigen der derzeit diskutierten physikalischen Zeitmodelle
oder zum buddhistischen Zeitverständnis. Beide stellen
die einfache, unumkehrbare Linearität von Zeit in Frage.
Beide behaupten teilweise, Zeit sei eine Illusion. Dies
sollte man im Falle des Buddhismus allerdings nicht im Sinne
europäisch-absoluter Begrifflichkeit überbewerten:
Im Buddhismus haben alle Erscheinungen grundsätzlich
nur den Charakter von Illusionen. Was hier wie dort gleichermaßen
gemeint sein könnte, ist: Die von uns erfahrene Zeit
ist nur die Oberfläche eines keineswegs eindimensionalen,
linearen, sondern mehrdimensionalen, komplexen Zusammenhangs
bzw. Prozesses. Dieser Zusammenhang könnte, wie Paul
Watzlawick schon 1976 in Wie wirklich ist die Wirklichkeit?
sinngemäß schreibt, auch die Möglichkeit
der zeitlichen Invertierung und der Umkehrung der kausalen
Wenn-Dann-Beziehung beinhalten. Beim sog. tachyonischen
Antitelefon, so Watzlawick weiter, treffe die auf (Über-)
Lichtgeschwindigkeit beschleunigte Nachricht von einem Ereignis
vor dem Stattfinden des Ereignisses ein. Selbst in populärwissenschaftlichen
Medien und Tageszeitungen tauchen Meldungen über physikalische
Versuche auf, die nur unter der Annahme der Umkehrbarkeit
von Zeit erklärbar sind.