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  06.02.2012   
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IV. Die Empfehlung 2: Wahl der Lebensform in Hinblick auf die Zeitwahrnehmung

Vielleicht werden Sie zumindest vorläufig keine Veranlassung sehen, Ihre Lebensform insgesamt in Hinblick auf eine intensivere Zeitwahrnehmung umzustellen. Das spricht dafür, dass Sie mit Ihrem Leben zufrieden sind und gute Gründe dafür haben, es weiterhin so zu führen. Allerdings könnte sich dies in Zukunft einmal ändern. Deshalb empfehle ich Ihnen, Ihre Lebensform in Jahresabständen (am einfachsten zu Beginn eines jeden Jahres) zu hinterfragen. Auf diese Art und Weise vermeiden Sie das Risiko, dass Sie größere Veränderungen Ihrer Persönlichkeit und Lebensumstände nicht berücksichtigen. Sie laufen nicht mehr Gefahr, eine Lebensform zu praktizieren, welche Ihnen zwar früher einmal entsprach, jedoch in der Gegenwart nicht mehr angemessen ist. Selbst wenn Sie jährlich zu dem Ergebnis kommen, dass Ihre Lebensform Ihnen voll entspricht, war die aufgewendete Zeit nicht umsonst: Sie werden nämlich ein äußerst positives Gefühl bei dieser Feststellung empfinden.

Falls Sie sich jedoch entschließen sollten, Ihr Leben in Hinblick auf die Zeitwahrnehmungsintensität der darin enthaltenen Tätigkeiten (oder sogar darüber hinaus) ändern zu wollen, stehen Sie vor einer Phase schwieriger und vielschichtiger Überlegungen: Gäbe es Ihnen zugängliche Lebensformen, die eine intensivere Zeitwahrnehmung ermöglichen? Was spricht sonst für diese Lebensform und was für die jetzige? Als eine der möglichen Hilfestellungen biete ich Ihnen die folgenden Fragen an:

1. Welche ethischen Ziele habe ich?

2. Was macht mir Spaß, was macht mich glücklich, was "erfüllt" mich? Ist es ein Ziel für mich, auf die erwähnten Arten Spaß, Glück und Erfüllung zu empfinden? Was möchte ich erleben?

3. Habe ich ein (sonstiges) globales Lebensziel? Welches?

(die Fragen 1. - 3. können sich überschneiden)

4. Wird sich meine Einstellung zu Frage 1., 2. und 3. in den mir verbleibenden Lebensjahren voraussichtlich ändern? Lässt sich schon erahnen, in welche Richtung die Entwicklung gehen wird?

5. Welche Priorität haben die genannten Ziele untereinander? Welche werden sie in Zukunft haben? (Möglichst aufschreiben!)

6. Wie sähe ein Leben aus, welches unter Berücksichtigung meiner Prioritäten die genannten Ziele verwirklicht? Berücksichtigen Sie dabei den Zeitaspekt: Bestimmte Ziele kann man nur in bestimmten Lebensabschnitten erreichen, so dass eine gute Lebensplanung immer auch eine Lebenszeitplanung sein muss!

7. Wie zeitwahrnehmungsintensiv sind die Tätigkeiten, die ich bei dieser Lebensform ausüben würde?

8. Wie wichtig ist mir die Wahrnehmung meiner Lebenszeit im Verhältnis zu den anderen Lebenszielen?

9. Habe ich die Möglichkeit, mit verhältnismäßig geringen Einbußen bei der Zielverwirklichung einen verhältnismäßig großen Gewinn an wahrgenommener Lebenszeit zu erreichen? Wie? Ist mir der Gewinn an Zeit die Einbußen wert?

Gerade bei Frage 9 müssen Sie eine Vielzahl von Möglichkeiten gedanklich durchspielen. Machen Sie sich dabei klar, dass man fast jedes Ziel auf viele verschiedene Arten erreichen kann. Nicht immer ist z.B. eine hektische und damit tendenziell zeitwahrnehmungsarme Arbeitsweise Voraussetzung für die erfolgreiche Ausübung eines Berufes oder die Verfolgung eines materiellen oder ideellen Zieles.

Voraussetzung für eine sinnvolle Beantwortung der Fragen ist natürlich, dass Sie die Frage 7 gut beantworten konnten. Im Zweifel können Sie auf die Frage 7 besser eingehen, wenn Sie vorher empirisch durch das Zeitwahrnehmungsnotizbuch festgestellt haben, welche Tätigkeiten Ihnen eine intensive Zeitwahrnehmung ermöglichen. Auch das zeigt uns wieder: Wenn Sie ernsthaft eine Umstellung Ihres Lebens in Angriff nehmen wollen, müssen Sie jedenfalls mehrere Tage allein für die anzustellenden Überlegungen veranschlagen.

In einem persönlichen Gespräch würden Sie mir vielleicht entgegenhalten: "Viele der Fragen kann ich nicht genau beantworten!" Meine Antwort darauf wäre: "Gewiss. Aber versuchen Sie, die Fragen immerhin so genau wie möglich schriftlich zu beantworten. Legen Sie die Antworten für einige Tage weg und überdenken Sie die Fragen ab und an. Nach einigen Tagen beantworten Sie die Fragen erneut schriftlich. Sie werden überrascht sein, wie viel mehr Sie schon zu den einzelnen Fragen sagen können. Auch kann es hilfreich sein, mit einem guten Freund darüber zu sprechen.

Im übrigen ist es besser, eine ungefähre Ahnung von den eigenen Lebenszielen und ihrer jeweiligen Wichtigkeit zu haben, als gar keine. Denn wenn man die Lebensziele überhaupt nicht benennt, läuft man eher Gefahr, sie zu verfehlen."

Auch wenn Sie eine Änderung Ihrer Lebensform durchgeführt haben, sollten Sie nicht davon ausgehen, dass es ein für alle Mal die richtige ist. Überprüfen Sie daher mindestens jährlich, ob Veranlassung zu einer weiteren Veränderung besteht.

 

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Aktualisiert am: 16.07.2008
 
         
 

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