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  09.09.2010   
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III. Die subjektive Zeit

"Man sagt, ich sei dreißig Jahre alt; wenn ich aber drei Minuten in einer gelebt habe ... bin ich dann nicht neunzig Jahre alt?"
Charles Baudelaire

Unser Leben lässt sich durch medizinische Methoden und ein gesünderes Leben um einiges ausdehnen. Dies begrüßen wir durchweg und streben die Lebensverlängerung an. Aber damit begnügen wir uns denn auch. Dabei verkennen wir einen sehr wichtigen Umstand: Unser Leben ist nämlich genau so lang, wie es uns vorkommt.

Dieser Satz mag Ihren Widerspruch herausfordern: Ist die Länge eines Lebens nicht objektiv in Jahren, Monaten und Tagen messbar? Aber sicher; darum geht es mir jedoch nicht. Vielmehr möchte ich nur darauf hinweisen, dass es neben der sogenannten objektiven Länge eines Lebens auch eine subjektive Länge gibt. Das heißt, auch ein objektiv kurzes Leben kann für denjenigen, der es lebt oder gelebt hat, sehr lang sein.

Der französische Philosoph Bergson unterschied schon in Anlehnung an John Locke zwischen "temps" = Zeit und "durée" = Dauer als subjektivem Zeitbegriff, so dass wir uns mit unserer Vermutung in bester Gesellschaft befinden (weitere Belege finden sich im letzten Kapitel). Diese Annahme wird durch unsere Alltagserfahrung bestätigt: kennen wir nicht alle Situationen, in denen die Zeit zu stehen scheint? Und andere, in denen sie rast? Sagen wir nicht oft genug: "Schon wieder ist ein Tag vorbei!"? Wenn Sie eine Weile überlegen, fällt Ihnen sicher eine Tätigkeit ein, bei der Ihnen die Zeit normalerweise sehr lang oder sehr kurz vorkommt. Wenn nicht, prüfen Sie bitte die Beispiele in Kapitel IV durch.

 

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Aktualisiert am: 16.07.2008
 
         
 

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