II. Was ist
Zeitwahrnehmung? Wie funktioniert sie?
Zeitwahrnehmung ist zunächst einmal etwas anderes
als der Zeitsinn. Den Zeitsinn haben wir über die Jahrtausende
hindurch entwickelt. Er sagt uns, wie viel Zeit seit einem
bestimmten Zeitpunkt verstrichen ist. In einer späteren
Epoche, nämlich der Zeit vom 12.-19. Jahrhundert, in
der die Uhr Einzug hielt, entwickelte sich der Zeitsinn
dahingehend fort, dass er dem Menschen sogar eine ungefähre
Uhrzeit benennt.
Man bemerke aber, dass viele Kulturen die Uhr noch nicht
in alle Teile der Gesellschaft eingeführt haben (und
damit vielleicht freier in der ZeitLeben).
Zeitwahrnehmung ist die Wahrnehmung von Veränderungen
in der Zeitdimension. Zeit wahrzunehmen ist nicht möglich,
ohne ein Geschehen in der Zeit wahrzunehmen. Zumindest nimmt
man nämlich die körpereigenen Frequenzen (Pulsschlag,
Atem, Nervenimpulsrhythmen) als Träger der Zeit war.
Ein Wahrnehmen abstrakter Zeit gibt es nicht. Daher könnte
man statt intensiverer Zeitwahrnehmung auch von intensiverer
Geschehenswahrnehmung sprechen. Wir wollen trotzdem bei
dem Begriff der Zeitwahrnehmung bleiben. Denn worum es uns
geht, ist die Wahrnehmung der Zeit "hinter dem Geschehen",
der Langsamkeit der sich ständig fortsetzenden Veränderung
unserer Befindlichkeit und der Welt unmittelbar um uns herum.
Zeitwahrnehmung ist auch Teil des menschlichen Bewusstseins
oder eine Art Bewusstseinsform .
Die Entwicklung des Bewusstseins vollzog sich schleichend
über Jahrtausende hinweg und brachte vermutlich deshalb
evolutionäre Vorteile, weil mit dem Bewusstsein eine
bessere Steuerung der Gesamtheit des Körpers möglich
war. Wenn die Zeitwahrnehmung im herkömmlichen Sinne
schon Teil des Bewusstseins ist und dieses sich nur Schritt
für Schritt entwickelt, muss auch eine weitere Entwicklung
der Zeitwahrnehmung möglich sein. Diese Entwicklung
soll kann zu so etwas wie einem Zeitbewusstsein führen.