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  09.09.2010   
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I. Zeit und Tod

Ich habe für nichts gelebt, und ich nehme nichts mit. Ich gebe alles an der Garderobe ab.
Eugène Ionesco

Ich bin in den Wald gegangen, weil mir daran lag, mit Bedacht zu leben, es nur mit den Grundtatsachen des Daseins zu tun zu haben und zu sehen, ob ich nicht lernen könne, was es zu lernen gibt, damit mir in der Stunde des Todes die Entdeckung erspart bleibe, nicht gelebt zu haben.
Henry David Thoreau


Alle Menschen sind sterblich. So banal diese Aussage auf den ersten Blick scheint und vielleicht auch ist, so sehr besteht doch Anlass, sie zu wiederholen. Denn die allermeisten Menschen haben in ihrem Alltag kein Bewusstsein davon, dass sie sterblich sind.

Dass die meisten Menschen den Tod derart verdrängen oder verdrängt haben, ist vielleicht auch nicht so schlimm. Bloß: weil wir den Tod verdrängen, leben wir eben in der irrigen Annahme, unbegrenzt Zeit zu haben. Und genau dies haben wir nicht.

Zugleich wollen wir jedoch, sofern wir nicht lebensmüde sind, möglichst viel und somit lange leben. Dies schlägt sich unter anderem in amerikanischen Meinungsumfragen nieder, in denen "Langlebigkeit" von den meisten Befragten als höchstes Ziel bezeichnet wird. Besonders deutlich wird diese Wertung natürlich dann, wenn unser Leben akut gefährdet ist. Dann setzen wir alles daran, die Gefahr zu beseitigen und so unser Leben zu verlängern. Alle sonstigen Werte und Ziele, insbesondere das Ziel des Reichtums, verlieren dann an Bedeutung. Gerne opfern wir die mühsam angehäuften Ersparnisse für eine Lebensverlängerung. Und vielleicht dämmert uns auch: Wir verwenden in unserer Kultur ungleich mehr Lebenszeit darauf, Ersparnisse anzuhäufen, als wir durch die Auflösung der Ersparnisse an Lebenszeit gewinnen können. Deshalb ist unsere Lebensführung im Kern fragwürdig.

 

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Aktualisiert am: 16.07.2008
 
         
 

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