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  06.02.2012   
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Letztes Kriterium: Wie stark steuert ein Schulungsweg?

Wir haben zu Beginn des Kapitels vier Ausschlusskriterien genannt, die dazu führen können oder sogar sollten, sich einer bestimmten Schule nicht anzuvertrauen. Sodann haben wir das Hauptkriterium entwickelt: Was ist der Ausgangspunkt eines Schulungsweges und über welche Etappen führt ein Weg? Der Vollständigkeit halber möchte ich ein weiteres Kriterium anführen, das für einige von Ihnen von Interesse sein könnte: Greift die Schulung von sich aus in den eigenen inneren Weg ein, indem sie bestimmte Schulungen oder Methoden vorgibt? Oder setzt sie darauf, dass die (gewünschte) innere Entwicklung von sich aus geschieht, wenn man ihr nur den nötigen Raum gibt und die Entwicklung geschehen lässt?

Um es kurz zu machen: die meisten Schulungswege sind direktiv, d.h. greifen stark in den Prozess ein. Der Weg ist “verschult”, mit klaren Etappenzielen und einer festen Reihenfolge der Ausbildungsschritte. Ohne dass damit eine Abwertung dieser Wege verbunden sein soll, möchte ich Sie darauf hinweisen: Es geht auch anders. Insbesondere ein Teil des psychoanalytischen Spektrums geht von der Annahme aus, dass das (höhere) Unbewusste den Prozess der inneren Wandlung am besten steuern kann, sowohl was Richtung als auch was das Tempo angeht. Die Aufgabe des Analytikers beschränkt sich auf die eines Begleiters oder auch Geburtshelfers. Erneut können Jung und Assaglioli als Beispiele ins Feld geführt werden. Daneben wahrscheinlich auch die sogenannte “Gestalt-Therapie” von Fritz E. Perls, ebenfalls einem Psychoanalytiker.

Am radikalsten haben einige meiner Freunde und Bekannten diese Alternative bei dem sogenannten “Holotropen Atmen” erfahren. Das Holotrope Atmen wurde von dem Psychoanalytiker Stanislaf (oder: Stan) Grof erfunden. Es besteht aus einer bestimmten Art des hyperventilierenden Atmens vor dem Hintergrund einer Abfolge von Musikstücken. Andere Teilnehmer, vor allem aber die Seminarleiter überwachen, was passiert und greifen allenfalls körperlich oder emotional stützend, nicht jedoch durch irgendwelche Erklärungen ein. Und es passiert eine ganze Menge durch die mehrstündige Ausschaltung oder wenigsten Reduzierung des üblichen Wachbewusstseins: alte Traumata werden teilweise hautnah wieder erlebt, oft mit der gewünschten befreienden Wirkung. Es tauchen eindrucksstarke innere Bilder auf, die nicht selten mit den Bildern der Befreiungstraditionen übereinstimmen. Erfahrungen eines höheren Selbst können sich erschließen. Aber manchmal passiert auch gar nichts: das Spektrum der Erfahrungen bei den mir bekannten Seminarteilnehmern ist sehr breit. Die Anhänger des Holotropen Atmens oder vielleicht auch andere Verfechter der Psychoanalyse würden sagen: Es geschieht, was gerade ansteht. Sonst nichts. Und das ist insbesondere dann eine gute Sache, wenn vielleicht frühere negative Erfahrungen noch den inneren Weg blockieren. Der Vorteil des Holotropen Atmens wie vielleicht auch einiger psychoanalytischen Behandlungen ist, dass sie sinnvoll wirken, egal wo man steht und woran man zu knabbern hat. Leider ist das Ganze nicht sehr billig, was nicht zuletzt an den hohen Gebühren liegt, die der Begründer Stanislaf Grof seinerseits den Teilnehmern seiner Fortbildungsseminare auferlegt. Und leider ist die von Grof entwickelte Begleittheorie, insbesondere zu den nach ihm alles bestimmenden Geburtstraumata auch nicht eben unproblematisch. Von beidem würde ich mich aber angesichts der besonderen Qualität dieses Weges nicht unbedingt abschrecken lassen. Wenn man nicht gesteuert werden will, gibt es kaum etwas Besseres als just das Holotrope Atmen; freilich vorausgesetzt, dass man sich anfangs von einem vertrauenswürdigen und kompetenten Seminarleiter begleiten lässt.

Wie auch sonst auf yourlife.info: Fragen, Kritik oder Anregungen sind jederzeit willkommen!


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Aktualisiert am: 16.07.2008
 
         
 

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