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  29.07.2010   
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Einige Hatha- Yoga-Lehrer

Die Ausgangspunkte der Schulungswege

Gehen die Schulungswege immer von den Eckpunkten aus? Nein, oft auch von Punkten dazwischen oder von einer ganzen Linie. Zum Beispiel geht Singen als geistiger Schulungsweg von der Zone rechts zwischen Körper und Gefühl aus, um von dort aus die dahinter liegende Zone zu erschließen.

 

Einige mir bekannte Hatha-Yoga-Lehrer gehen vom Körper (vorne unten rechts) aus, versuchen aber zugleich ein anderes Weltbild zu vermitteln; so dass der ganze untere Bogen aktiviert wird, bevor die Ich- und Gefühlstransformation angegangen wird.

 


Andere Hatha-Yoga-Lehrer

 

Andere Hatha-Yoga-Lehrer gehen nur vom Körper aus und steuern diagonal auf die Ichlosigkeit zu, ohne sich um das Weltbild zu kümmern. Ein solches Vorgehen ist insofern eine Ausnahme, als die meisten mir bekannten Schulungswege nicht von einer Ecke vorne die genau entgegengesetzte hinten ansteuern. Das Beispiel Hatha-Yoga zeigt zugleich, dass sich hinter einem Label doch große Unterschiede verbergen können. Wenn wir das gesamte Yoga-Spektrum in den Blick nehmen, finden wir letztlich alle bisher und im folgenden geschilderten Ausgangspunkte und Erschließungsbewegungen vertreten.

Warum legen wir hier einen solchen Wert auf den Ausgangspunkt? Nun, der Ausgangspunkt ist die Basis, der Ankerplatz für die Entwicklung. Ist er falsch gewählt, kann die Entwicklung schief gehen, unnötig lang dauern oder scheitern. Meistens empfiehlt es sich, von einem auf der vorderen Ebene gut ausgeprägten Ausgangspunkt die Reise zu beginnen. Wenn ich ein unterentwickeltes Körperempfinden habe, werde ich erst recht nicht energetisch empfinden können. Empfinde ich Gefühle nur schwach, wird sich nur schwer ein Weg in Richtung Mitgefühl finden etc.

Menschen können in ihrer Entwicklung aber auch daran scheitern, dass ihr Ausgangspunkt auf der vorderen Ebene zu stark entwickelt ist: Bin ich zu stark im Bann triebdominierter Sexualität, kann ich schwer die subtile Auflösung des Körperempfindens in Richtung Energie bewerkstelligen. Ist mein Bild von dieser Welt zu fest gefügt, klammere ich nicht in dieses Bild passende Ereignisse aus; das ist sogar ein in der Wissenschaftstheorie bekanntes Phänomen. Sind mir meine Gefühle in aller ihrer Pracht das Höchste, werde ich schwerlich auf diesen Reichtum verzichten wollen. Vor allem aber ist das Ich-Verständnis meist so zubetoniert, dass es keinen direkten Weg vom Ich zur Ichlosigkeit gibt. Der längere Weg kann also auch der bessere sein. Frei nach der alten chinesischen Weisheit: Wenn Du es eilig hast, mache einen Umweg!


Rosenkreuzer

 

Schauen wir uns nun noch einige weitere Beispiele für geistige Schulungswege an. Wenn man der Darstellung des Rosenkreuzer-Weges auf www.rosenkreuzer.de Glauben schenken darf, beginnt diese Ausbildung mit der Vermittlung von theoretischem Verständnis von der Welt hinter der Welt. Es folgen Übungen zur Umwandlung der üblichen Körper-Erfahrung in Energie-Erfahrung. Sodann sollen die Gefühle transformiert werden. Erst am Ende steht die Ichauflösung an. Ein ähnlicher Ausbildungsweg wird übrigens auch innerhalb einiger anthroposophischen Gesellschaften angeboten.

 



Reiki-Lehrer

Mehrere mir bekannte Reiki-Lehrer gehen wie folgt vor: an erster Stelle steht die Umwandlung von Körpererfahrung in Energieerfahrung. Zur Unterstützung wird ein Weltbild verbreitet, dass eifrig höhere Wesen postuliert, deren Werkzeug man bei der Ausübung des Reiki wird. Diese höhere Wesen sind die eigentlichen Quellen des reinen Mitgefühls, der uneigennützigen Liebe. Daher nebenstehend die gestrichelte Linie von unten links hinten nach oben rechts hinten. Es geht diesen Lehrern also nicht etwa um die Umwandlung der eigenen Gefühle in uneigennütziges Mitgefühl! Auch mit der Umwandlung des Ichs in Ichlosigkeit hatten sie nichts am Hut. Sie wollten weiter ihr Ego kultivieren. Eine Lehrerin hegte und pflegte z.B. ihre dem Ego schmeichelnden hochtrabenden Pläne für ein von ihr initiiertes und geleitetes Body-and-Mind-Zentrum. Eine andere war sehr daran interessiert, ein gewöhnliches Gefühlsleben aufrecht zu erhalten. Sehr sympathisch gewiss, aber leider in beiden Fällen völlig unbeleckt von Aspekten der Selbstbefreiung.


Reiki nach Andreas Dalberg


Dabei kann Reiki auch ganz anders verstanden und praktiziert werden. In seinem Buch Der Weg zum wahren Reiki-Meister zeichnet der in Nürnberg ansässige Andreas Dalberg einen Weg vor, bei dem zunächst Körpererfahrung in Energieerfahrung umgewandelt wird und im zweiten Schritt die üblichen Gefühle durch uneigennütziges Mitgefühl ersetzt werden. An dritter Stelle steht die Umwandlung des Ichs. Ob man daneben auch das Verständnis der äußeren Welt um ein Verständnis der Welt hinter der Welt ergänzen will, lässt Dalberg fast schon dahingestellt. Jedenfalls zielt für ihn der Reiki-Weg auch auf Selbstbefreiung, also der Befreiung von den üblichen ich-bezogenen Gefühlen und von der festen Ich-Vorstellung. Er ist damit sicher näher an der Urspünglichen Reiki-Lehre. Die ist, wie eine andere, mit mir bekannte wietere Reiki-Lehrerin herausgefunden hat, letztlich von einer geheimen buddhistischen Überlieferung abgeleitet. Selbst das oft verflacht vermittelte Reiki kann also eine vollständige Befreiungslehre sein.



Buddhismus nach Batchelor / Vipassana


Der Reiki-Lehrer Dalberg reduziert in Hinblick auf unseren Kulturkreis bewusst die Bedeutung eines für die Selbstbefreiung nicht entscheidendes Element: des Verständnisses der Welt hinter der Welt. Die Bedeutung dieses Elements zu reduzieren, erleichtert Lesern aus unserem Kulturkreis den Zugang zu Reiki, wenn sie nichts mit Begriffen wie “höheren Wesen” anfangen können. Was ist nun aber mit den Menschen, die schon den Begriff der “Energie” für nicht nachvollziehbar halten? Welche Angebote gibt es für sie? Einerseits kann man als Antwort auf die Psychoanalyse nach C.G. Jung und Assaglioli verweisen, überwiegend unter Einschluss von deren Schüler. Andererseits gibt es innerhalb des Buddhismus ein freilich mageres Angebot. International bietet wenigstens ein namhafter Autor, Stephen Batchelor mit seinem Buch “Buddhismus für Ungläubige” (Fischer Taschenbuch) einen Referenztext an. In der deutschsprachigen buddhistischen Szene wird die Luft noch dünner. Sie ist dominiert von tibetisch-buddhistischen Schulen, die nur den Viererpack anbieten. Am ehesten eignet sich noch der die süd-asiatische Tradition des Vipassana für Menschen, die weder mit Energie noch einer Welt hinter der Welt etwas zu tun haben wollen. Nicht zufällig lehren Batchelor und auch sein deutscher Übersetzer Hans Gruber Vipassana. Daneben kann man auch Zen-Zentren nutzen. Zen beinhaltet zwar auch den kompletten Viererpack. Die beiden unteren Elemente stehen in den ersten Jahren jedoch nicht im Vordergrund. Wenn Vipassana und Zen nicht in Betracht kommen, bleibt einem nur die Möglichkeit, die nicht gewünschten Elemente aus einem anderen Schulungsweg auszublenden.

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Aktualisiert am: 16.07.2008
 
         
 

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