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  06.02.2012   
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7. Die Vision Jungs

Jung sieht sich eingebettet in eine Jahrzehntausende umfassende Entwicklung der Menschheit, hat er doch selbst in Rhodesien (heute Zimbabwe) religiöse Felszeichnungen aus einer Epoche lange vor unserer Geschichtsschreibung entschlüsseln können. Zugleich hält er die Weiterentwicklung des menschlichen Geistes für offen und dessen Potential für erst annähernd ergründet: ”Die Entwicklung und Erweiterung des Bewusstseins ist ein langsamer und mühsamer Prozess, der ungezählte Äonen gebraucht hat, um die Stufe der Zivilisation zu erreichen, die wir etwas willkürlich bei der Erfindung der Schrift um etwa 4000 v. Chr. ansetzen. Obwohl unsere Entwicklung seit dieser Zeit beträchtlich zu sein scheint, ist sie jedoch von ihrer Vollendung noch weit entfernt. Unendlich weite Bereiche unseres Geistes sind noch in Dunkel gehüllt. Was wir ”Psyche” bezeichnen, ist keineswegs mit unserem Bewusstsein und dessen Inhalt identisch” (1). Jung sieht seine Forschung erst am Anfang einer gewaltigen Aufgabe (2): ”Nachdem die bisherige Entwicklung der Psychologie ein Hauptgewicht auf die psychische Bedingtheit der Seele gelegt hat, wird die zukünftige Aufgabe der Psychologie die Erforschung der geistigen Bedingtheit des seelischen Prozesses sein. Die Naturgeschichte des Geistes aber befindet sich heute noch in einem Zustande, der sich nur dem Zustand der Naturwissenschaft im 13. Jahrhundert begleichen lässt” (3).

Soweit die ”zivilisatorische” Vision Jungs, in der keine Trennung mehr zwischen West und Ost besteht (4). Und was steht für den einzelnen idealerweise am Ende? Jung erkennt nicht nur die Grenzen der Sprache, sondern auch die Grenzen der Symbole / Archetypen an: ”Die psychologische Richtigkeit des Yoga im Osten sowohl wie im Westen hört erst dann auf, wenn sich der unbewusste Prozess, welcher künftige Bewusstseinsveränderungen antizipiert, so weit entwickelt hat, dass er Nuancen aufweist, die mit dem traditionellen Symbol nicht mehr genügend ausgedrückt, respektive mit demselben nicht mehr ganz verträglich sind. Insofern und nur insofern kann man dann sagen, dass das Symbol seine ”Richtigkeit” eingebüßt habe” (5). Erneut wie im Buddhismus steht am Ende ein mit Begriffen und Symbolen nicht mehr zu beschreibender, sich immer weiter verfeinernder formloser Zustand – oder besser: Weg und Wandlung. Bis dahin in auch der Erwachsene ”ewiges Kind, ein immer noch Werdendes, nie Fertiges, das beständiger Pflege, Aufmerksamkeit und Erziehung bedürfte” (6).

 

 

 

 

 

 

 

 

 

(1) Traum und Traumdeutung 15

(2) Traum und Traumdeutung 87

 

 

 

(3) Wirklichkeit der Seele 25

(4) Wirklichkeit der Seele 23

 

 

 

 

(5) Traum und Traumdeutung 218

 

 

(6) Wirklichkeit der Seele 99


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Aktualisiert am: 16.07.2008
 
         
 

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