3. Die Auswertung
Sicher ist die Auswertung Ihres persönlichen Fragebogens
der schwierigste und langwierigste Schritt. Es wird aber
auch derjenige sein, der Ihnen am meisten nützen kann. Damit
Sie es leichter schaffen, die verschiedenen Antworten zu
einander ins Verhältnis zu setzen, hier noch einige Hinweise:
Die Fragekomplexe 1.1. bis 1.9. und 2.1. bis 2.9. sind
weitgehend parallel aufgebaut. Das dient dazu, Ihnen einen
Soll-Ist-Vergleich zu ermöglichen: Welche ethischen Vorstellungen
wollen Sie haben bzw. entwickeln (1.1. bis 1.9.)? Und inwieweit
setzen Sie diese ethischen Vorstellungen faktisch in Ihrem
Leben um (2.1. bis 2.9.)? Füllen Sie die beiden Teile bitte
zeitlich getrennt aus.
Eine Methode der Auswertung besteht darin, Ihre Antworten
zu Teil 1 und zu Teil 2 nebeneinander zu legen, parallel
zu lesen und zu analysieren (also 1.2. + 2.2., 1.3. + 2.3.
1.4.. + 2.4. ...). Dabei sind die Antworten zu den Fragen
1.9. und 2.9. vermutlich die wichtigsten: Sie geben Antwort
darauf, inwieweit die grundsätzliche Gewichtung in Ihrem
Leben mit Ihren Idealvorstellungen über Ihr Leben übereinstimmt.
Die Antwort wird deutlicher, wenn Sie tatsächlich wie empfohlen
Ihre verfügbare Zeit prozentual oder anteilsmäßig auf die
verschiedenen Lebensaspekte (1.2. - 1.8.) verteilen. Das
kostet natürlich eine gewisse Überwindung, handelt es sich
doch um Fragen, die gewöhnlich nicht mit quantitativen Einheiten
belegt werden. Doch machen Sie sich nichts vor: Ob Sie den
Fragebogen in diesem Sinne ausfüllen oder nicht, Sie entscheiden
tagtäglich durch Ihre Zeitverwendung darüber, welche Bedeutung
Sie den Lebensaspekten beimessen; das ist das Entscheidende
und nicht der Fragebogen, der nur Abweichungen zwischen
Ihrer idealen und Ihrer faktischen Zeitverwendung bzw. Schwerpunktsetzung
aufdeckt!
Vielleicht sind die aufgeführten Lebensaspekte für Sie
nicht verständlich oder nicht griffig genug. In diesem Fall
können Sie den wichtigsten oder die beiden wichtigsten Fragen
in jedem Unterabschnitt herausgreifen, sich über deren Bedeutung
für Sie Klarheit verschaffen und über die Fragen 1.9. +
2.9. untereinander ins Verhältnis setzen. Hierin besteht
eine zweite sinnvolle Auswertung.
Die Auswertung und der Fragebogen selbst wirken auf Sie
vielleicht sehr "technisch" und kalt. Müssen ethische
Fragen nicht vielmehr intuitiv beantwortet werden? Dazu
ist zu sagen: Intuition sollte man nie ignorieren. Allerdings
sollte man trotzdem sicherstellen, dass man alle möglicherweise
relevanten Aspekte in den Blick genommen hat; hierbei kann
der Fragebogen auch intuitiv veranlagten Menschen helfen,
selbst wenn sie den Fragebogen nicht im eigentlichen Sinne
bearbeiten wollen. Auch kann der Fragebogen bewirken, dass
die Intuition von einer vordergründigen in eine tiefere
Ebene vordringt und so geschärft wird. Das ist doch auch
nicht schlecht, oder? Dabei ist freilich klar, dass der
Fragebogen zwar ein ungewöhnlich systematisches, aber immer
noch ein unvollständiges und vereinfachendes Hilfsmittel
zur Entwicklung einer angemessenen persönlichen Ethik ist.