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  29.07.2010   
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Tip 6: Nicht jedes Problem hat mit Buddhismus zu tun!

Klingt banal, aber es ist schwierig und dennoch wichtig, die anderen Spannungsfaktoren oder ursprüngliche Charakterzüge als solche zu sehen, zu verstehen und nicht irrtümlich dem Buddhismus zuzuschreiben.

Tip 7: Wenn Ihr Partner weit fortgeschritten ist, werden Sie sich entscheiden müssen: Können und wollen Sie mit einem Menschen leben, der keine oder kaum noch ich-bezogene Gefühle hat und äußert?

Dazu zunächst eine kurze Geschichte: Vor einiger Zeit habe ich einem “Living Buddha” (Tulku) der ältesten tibetischen Schule die Frage gestellt, wie sich ein Buddhist gegenüber einem Partner / einer Partnerin verhalten soll, wenn diese(r) kein erleuchtetes, ego-freies Mitgefühl, sondern authentische positive oder negative Gefühle eines “echten” und jedenfalls manifestierten Ichs erwartet. Das Ergebnis meiner Frage war für mich schockierend. Der von mir im übrigen sehr geschätzte Lehrer verstand die Frage nicht. Der Grund: Obwohl seit geraumer Zeit im Westen ansässig, konnte er sich nicht vorstellen, dass ein Mensch etwas anderes von seinem Partner wünschen könnte, als just dieses erleuchtete, ego-freie Mitgefühl.

Der durch Buddhismus angestrebte Zustand ist nicht gefühlsfrei, sondern sehr gefühlsintensiv. Aber es sind keine Gefühle mehr da, die ein eng umgrenztes Ich voraussetzen. Äußerungen wie “Ich fühle mich verletzt!” oder “Mir geht es heute schlecht, weil ...” werden Sie von einem fortgeschrittenen Buddhisten nicht mehr hören. Ihm geht es immer gut, solange er die innere Verbindung zum Buddhismus wach erlebt. Das kann nerven. Es kann auch die ganze bisherige emotionale Balance ihrer Beziehung kippen: Sie werden von Stimmungen und klassischen Gefühlen gebeutelt, während er durch nichts aus der Ruhe zu bringen ist, nicht angreifbar ist und umgekehrt auch nicht mehr die üblicherweise Glück stiftenden Ereignisse oder Umstände als Glück stiftend erlebt - er ist ja sowieso glücklich. Und auf Ihre negativen Gefühlsreaktionen reagiert er im Zweifel mit dem altruistischen, ego-freien buddhistischen Mitgefühl; was Ihnen vielleicht nur erneut zeigt, dass Sie nicht mehr in einer Partnerschaft unter gleichen sind.

Die meisten Buddhisten sind Buddhisten auf dem Weg, meist noch weit von diesen Zuständen entfernt. Viele erreichen den Zustand nie. Darauf kann man als Partner eines Buddhisten natürlich hoffen. Aber wenn der Partner sich diesem Zustand annähert, muss man für sich die Frage stellen, ob man mit einem Partner in diesem Zustand leben kann oder will.

 

Tip 8: Entwickeln Sie ein für Sie angemessenes Leitbild für Ihr Leben!

Grob gesprochen gibt es drei Typen von Lebensbeziehungen mit Buddhisten: 1. Beziehungen von anderen Buddhisten oder Menschen in einer ähnlichen geistigen Ausbildung; 2. Beziehungen von Menschen, die sich einfach einfügen, unterordnen; 3. Beziehungen von Menschen, die mit einem starken Lebenskonzept einen selbständigen Gegenpol bilden.

Wenn Sie mit einem der ersten beiden Typen leben können, um so besser für Sie. Für viele aufgeklärte Menschen im Westen kommt aber weder das erste noch das zweite Modell in Frage. Diese Menschen haben dann nur noch die dritte Möglichkeit, sich also auf sich selbst und die eigenen individuelle Tradition zu besinnen, diese fortzuentwickeln und dies alles selbstbewusst, aber ohne Anfeindungen gegenüber dem Partner zu leben. Die Chancen für einen Fortbestand halte ich tendenziell für etwas geringer als in den beiden anderen Formen; aber vielleicht funktioniert es gerade bei Ihnen?

Jedenfalls sollten Sie sich genauso wenig von Ihrem Partner in Richtung Buddhismus ziehen lassen, wenn Sie das nicht wollen, wie Sie umgekehrt die Augen vor dem Buddhismus verschließen sollten, bloß weil Ihr Partner schon Buddhist ist. Aus Ihnen selbst muss die Richtung kommen oder zumindest ein deutlicher Widerhall. Es kann sein, dass Ihr Partner als eine Art “Chance Ihres Lebens” mit Buddhismus in Verbindung bringt. Und es kann sein, dass es noch nicht oder gar nicht dar Richtige für Sie ist, sich auf Buddhismus einzulassen.

Es gibt in unserer westlichen Kultur angelegte “gute Gründe” dafür, warum man das buddhistische Leitbild ablehnen kann. Denken Sie etwa an die vielfältigen künstlerischen Manifestationen, die letztlich auf der Idee einer ausdifferenzierten und vielfältig entwickelten Persönlichkeit beruhen. Je nach ihrer persönlichen kulturellen Geschichte sind es nicht nur gute, sondern sogar zwingende Gründe, die Sie das buddhistische Leitbild ablehnen lassen. Wenn Sie sich darüber für sich klar werden, werden Sie nicht so leicht in den Strudel gezogen, den ein überzeugter Buddhist in Ihrer Nähe darstellt. Und je überzeugter und stärker Sie ein anderes Leitbild entwickeln und leben, desto eher kann Ihre Beziehung denn doch wieder als gleichberechtigte fortbestehen. Etwas eiernd instabil ist eine Beziehung allerdings dann, wenn der Partner weder einen ähnlichen geistigen Weg gehen will, sich nicht unterordnen willen und auch keine ähnliche starke persönliche Tradition in sich trägt.


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Aktualisiert am: 16.07.2008
 
         
 

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