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9. Gibt es einen alternativen Buddhismus? (50)Ich sehe in Ansätzen einen alternativen buddhistischen Lehrbetrieb, z.B. in Form von sich keiner Schule zurechnenden Zentren und Meditationskreisen, die ihre Lehrer aus verschiedenen Schulen zusammensuchen und womöglich sogar die spirituellen von den organisatorischen Aufgaben trennen (während in den klassischen buddhistischen Organisationsformen der spirituelle Lehrer auch in organisatorischen Fragen immer seine Billigung aussprechen muss). Diese alternativen buddhistischen Strukturen geben sich freilich nicht unbedingt als solche nach außen zu erkennen: Sie haben kein Interesse daran. Selbst wenn sie einen Lehrbetrieb auch ohne Rückgriff auf Lehrer der traditionellen Organisationsformen aufrecht erhalten könnten, wollen sie die Verbindung zu den traditionellen Strukturen nicht kappen. Sie wissen nur zu gut, dass sie ohne die traditionellen Strukturen nie entstanden wären; ihnen verdanken sie auch die innere Legitimierung ihres Lehrbetriebes. Ich hoffe und vermute, dass aus der einen oder anderen dieser noch spärlich gesäten Gruppierungen nach einigen Jahrzehnten eine auch nach außen erkennbare eigenständige Linie wird; während andere Zweige sich so weit vom nährenden Stamm entfernen werden, dass sie abknicken. Unter einem weiteren Aspekt dürften sich gerade alternative Strukturen herausbilden: dem Frauenverständnis in den buddhistischen Traditionen (51). Dieses war in der Geschichte nicht immer unproblematisch, wiewohl sich gerade einiges zu öffnen scheint. Immer mehr Frauen aus dem Westen werden buddhistische Lehrerinnen, und einige wenige Frauen vornehmlich aus ostasiatischen Ländern gehören mittlerweile zum buddhistischen Jetset. |
Erläuterungen
Davon abgesehen gibt es freilich, gemessen an einem bestimmten kulturellen Umfeld und der jeweiligen Epoche, mehr oder weniger verkrustete Vermittlungsformen. Die für den Westen zur jetzigen Zeit angemessenen Vermittlungsformen müssen vielleicht noch gefunden werden. Darauf angesprochen, zeigen mir buddhistische Lehrer, dass sie das Problem sehen; sie scheuen allerdings, so mein Eindruck, vor einer zu schnellen Anpassung zurück. Anders gesprochen: Sie sehen aus ihrer Perspektive vor allem die schon erbrachte Anpassungsleistung (bzw. Konzessionen), während mir als tief im westlichen Denken verwurzeltem Menschen der fremde kulturelle Ballast ins Auge springt. Wird mit der anstehenden Anpassung an die kulturellen Gegebenheiten des Westens womöglich die nächste Häutung des Buddhismus vollzogen? (51) Literaturhinweise für den Themenkreis Frauen und Buddhismus finden Sie unter: Die Problematik "Frauen und Buddhismus" auf den Punkt bringend: |
Aktualisiert am: 16.07.2008 |