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8. Stärken und Schwächen des Buddhismus
Schauen wir zunächst noch mal auf die besondere Stärke
des Buddhismus: Der Buddhismus zeigte sich in der
Lage, einer breiten Schicht von Menschen das Leben,
u.a. auch durch Trost, Zuspruch und Segnungen, subjektiv
zu erleichtern und einen Teil von ihnen grundsätzlich
durch die Vermittlung einer anderen inneren Einstellung
von Leiden zu befreien; letztes ist das Hauptziel.
Dieses Hauptziel führte dazu, dass weniger radikale
Hilfen für Leid weniger Beachtung finden. So
verständlich das ist, so sehr bedeutet es doch einen
konkreten Nachteil im Verhältnis zum Christentum und
dem Islam. Denn in diesen beiden Religionen ist die
konkrete Hilfe für Bedürftige fester verankert (45).
Ich habe buddhistische Lehrer gehört, die diesen Umstand
auch offen benannt haben. Einer von ihnen schreibt:
"If some high lamas were just to sell their gold
and silver teacup holders, they could feed hundreds
of starving Ethiopians for days." (46)
Die zweite besondere Leistung des Buddhismus ist,
dass er den eigentlich nur auf Meta-Ebene halbwegs
gut benennbaren Kern der buddhistischen Lehre über
die Jahrtausende nicht nur erhalten, sondern auch
innerlich lebendig und frisch gehalten hat (nicht
nur mit Tibet als idealem "Kühlschrank");
und dabei kaum pervertierte Ableger entstehen ließ.
Wie war das möglich? Nach meinem Kenntnisstand ist
der Grund hierfür in dem Prinzip der ununterbrochenen
Übertragungslinie (47) zu sehen. Zudem muss
zwischen den gleichzeitig lebenden Lehrern einer bestimmten
Übertragungslinie ein Ordnungsgefüge bestehen, um
ein Auseinanderlaufen der Praxis und der Lehre zu
vermeiden. Beide Faktoren ziehen zwar nicht denknotwendig,
aber doch in aller Regel eine hierarchische Struktur
nach sich. Hierarchische Strukturen neigen nun aber
leider zu Verkrustungen, manchmal sogar gegen den
Willen ihres Chefs. Das ist nicht nur bei Unternehmen
und Behörden, sondern auch bei Religionsgemeinschaften
so (48).
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Erläuterungen
(45) Trotz der Bewegung des sog. engagierten Buddhismus
haben buddhistische Hilfsorganisationen denn auch
eher selten von sich hören gemacht; und wenn, dann
meist doch zugunsten von Projekten, die der eigenen
Glaubensgemeinschaft dienen. Eine Übersicht finden
Sie unter: www.buddhanetz.org/
(46) siehe www.siddharthasintent.org/
(47) Übertragungslinie: Buddhistischer Lehrer
wird man nicht kraft eigenen Entschlusses, sondern
weil man von jemandem, der selbst in der buddhistischen
Tradition steht, ermächtigt wird. Der eigene, einen
später ermächtigende Lehrer hatte seinerseits einen
Lehrer, der wiederum von einem in der Tradition stehenden
Lehrer ermächtigt wurde und so weiter.
(48)Weitere Folge der hierarchischen Strukturen,
teilweise jedoch auch einfach nur der tiefen Dankbarkeit
der Schüler gegenüber ihren Lehrern (bzw. des Respekts
vor deren Fähigkeiten) ist die zum Teil überschwängliche
Verehrung, welche die Schüler den Lehrern gegenüber
zuteil werden lassen.
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