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7. Risiken und Nebenwirkungen
Über Risiken und Nebenwirkungen buddhistischer Praxis
wird gemeinhin wenig gesprochen. Ich halte das für
falsch, so sehr ich Buddhismus schätze. Buddhistische
Meditationstechniken greifen sehr weit in die üblichen
Wahrnehmungsprozesse ein. Es wäre fast ein Wunder
oder gar ein Zeichen der Wirkungslosigkeit, wenn die
buddhistische Lehre und insbesondere Meditationspraxis
nicht Nebenwirkungen hätte. Welche sind diese?
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Tantrische buddhistische Meditation kann, vor allem
ohne Lehrer, entgleisen und so Zustände geistiger
Verwirrung hervorrufen (s.o.).
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Buddhismus zielt darauf, die Annahme eines feststehenden
Ichs zu zerstören (40). Damit geraten viele
unserer "inneren Heiligtümer" in Gefahr.
Das führt manchmal vorübergehend zu schmerzhaften
Verteidigungskämpfen und zu Niedergeschlagenheit.
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Meditation kann, zumindest in einer Übergangszeit,
zu gedämpften mentalen Reaktionen und einem langsameren
Denken führen. Die körperliche und geistige Betriebsgeschwindigkeit
wird durch Meditation herabgesetzt. Dies kann Antriebsschwäche
und Leistungsminderung im Sinne der üblichen Kriterien
unserer Gesellschaft verursachen.
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Wie wir gesehen haben, gehört es zur buddhistischen
Ausbildung, die üblichen Alltagsgefühle zu hinterfragen,
zu dekonstruieren. Wird dies eine Weile betrieben,
werden sie schwächer, noch bevor die buddhistischen
Methoden auf sie angewandt werden.
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Damit, aber nicht nur damit hängt zusammen, dass (Paar-)
Beziehungen infolge einer buddhistischen Ausbildung
nur eines Partners aus dem Lot geraten können: Während
der nicht-buddhistische Partner seine ihm als das
Wertvollste erscheinenden Gefühle womöglich in extenso
und differenziert offenbart, kann sein buddhistisches
Gegenüber vielleicht nicht umhin, diese Gefühlsausdrücke
zu durchleuchten; um dann nicht, wie unter Normal-Menschen,
mit einer Gegengefühlsreaktion aufzuwarten, sondern
gedämpft und fast wohlwollend-therapeutisch Verständnis
zu zeigen. Es entsteht eine schwer auszugleichende
Asymmetrie.
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Fast noch dramatischer ist die schleichende Verschiebung
der Wertigkeiten bei dem buddhistischen Partner
(41): Hat er vielleicht anfangs die buddhistische
Ausbildung mit reichlich emotionaler Distanz und mehr
aus Neugierde begonnen, rückt sie doch bald in sein
inneres Zentrum. Übliche Tätigkeiten und Prioritäten,
die er früher mit seinem nicht-buddhistischen Partner
geteilt haben mag, werden aus dem Zentrum verdrängt,
wenn nicht sogar bedeutungslos; es sei denn, er steuert
bewusst gegen oder die Ausbildung fruchtet nicht.
Ein Lehrer sagte denn bei einem Vortrag doch tatsächlich:
Wenn man merkt, dass sich der Partner nicht mit auf
den Weg macht, kann man vielleicht noch eine Weile
abwarten, sofern die grundsätzlichen Anlagen dafür
da sind; dann sollte man sich jedoch trennen. Es gebe
genug attraktive Männer und Frauen in den buddhistischen
Gemeinschaften! Ups!
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Es besteht auch die subtile Gefahr, Buddhismus, Meditation
oder das Ziel der Befreiung zum Ding zu machen, welches
an die Stelle der üblichen weltlichen Wertigkeiten
tritt. Statt das Loslassen und die innere Befreiung
zu lernen, tauscht man dann nur das Objekt seiner
Fixierungen aus. Dieses manchmal unter dem Einfluss
unserer Leistungskultur entstehende Phänomen führt
zur Vergeblichkeit aller Bemühungen, manchmal jedoch
auch zu verqueren Lebensausrichtungen.
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Erläuterungen
(40) Da nicht nur das "Ich",
sondern jegliche Annahme einer feststehenden Eigennatur
/ Wesenheit aufgelöst werden soll, stellt sich zu
Beginn des Weges oft ein als bedrohlich empfundenes
Gefühl der Leere, des Ins-Bodenlose-Fallen ein. Das
Bedrohliche schwindet, sobald man festgestellt hat,
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dass das Leben auch ohne die Annahme von feststehenden
Wesenheiten und ohne das ständige Zuschreiben von
feststehenden Eigenschaften weiter geht,
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die Leere wunderbar bewohnbar ist und
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man selbst freier, gelassen, heiter, also gelöster
wird.
(41) Letztlich wirkt sich die Werteverschiebung
nicht nur in den Paarbeziehungen aus, sondern führt
zu einer ganz anderen Kommunikation mit allen Menschen:
Es verlieren die üblichen Alltagsthemen an Bedeutung.
Das häufigste Muster alltäglicher Kommunikation ist
die Bekundung von Wertschätzung für das Ich
des Gegenübers. An der Wertschätzung für ein Ich,
welches er für leer hält, hat ein fortgeschrittener
Buddhist nach meiner Beobachtung kein Interesse. Selber
das Ich des Gegenübers zu bauchpinseln, ist
für ihn nur dann von Interesse, wenn er es aufgrund
des empfundenen Mitgefühls und der Lage des
Gegenübers für tunlich hält; es hat aber keinen Wert
an sich. Das rüttelt an der Grundlage für die meisten
Bekundungen von Aufmerksamkeit, wie z.B. Rituale,
Besuche, Partys, Feierlichkeiten etc., vielleicht
mit Ausnahme der Rituale seiner buddhistischen Schule.
Die Konsequenz ist denn auch oft eine Verlagerung
des Freundeskreises in Richtung buddhistische Gemeinschaften.
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