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  06.02.2012   
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7. Risiken und Nebenwirkungen

Über Risiken und Nebenwirkungen buddhistischer Praxis wird gemeinhin wenig gesprochen. Ich halte das für falsch, so sehr ich Buddhismus schätze. Buddhistische Meditationstechniken greifen sehr weit in die üblichen Wahrnehmungsprozesse ein. Es wäre fast ein Wunder oder gar ein Zeichen der Wirkungslosigkeit, wenn die buddhistische Lehre und insbesondere Meditationspraxis nicht Nebenwirkungen hätte. Welche sind diese?

-          Tantrische buddhistische Meditation kann, vor allem ohne Lehrer, entgleisen und so Zustände geistiger Verwirrung hervorrufen (s.o.).

-          Buddhismus zielt darauf, die Annahme eines feststehenden Ichs zu zerstören (40). Damit geraten viele unserer "inneren Heiligtümer" in Gefahr. Das führt manchmal vorübergehend zu schmerzhaften Verteidigungskämpfen und zu Niedergeschlagenheit.

-          Meditation kann, zumindest in einer Übergangszeit, zu gedämpften mentalen Reaktionen und einem langsameren Denken führen. Die körperliche und geistige  Betriebsgeschwindigkeit wird durch Meditation herabgesetzt. Dies kann Antriebsschwäche und Leistungsminderung im Sinne der üblichen Kriterien unserer Gesellschaft verursachen.

-          Wie wir gesehen haben, gehört es zur buddhistischen Ausbildung, die üblichen Alltagsgefühle zu hinterfragen, zu dekonstruieren. Wird dies eine Weile betrieben, werden sie schwächer, noch bevor die buddhistischen Methoden auf sie angewandt werden.

-          Damit, aber nicht nur damit hängt zusammen, dass (Paar-) Beziehungen infolge einer buddhistischen Ausbildung nur eines Partners aus dem Lot geraten können: Während der nicht-buddhistische Partner seine ihm als das Wertvollste erscheinenden Gefühle womöglich in extenso und differenziert offenbart, kann sein buddhistisches Gegenüber vielleicht nicht umhin, diese Gefühlsausdrücke zu durchleuchten; um dann nicht, wie unter Normal-Menschen, mit einer Gegengefühlsreaktion aufzuwarten, sondern gedämpft und fast wohlwollend-therapeutisch Verständnis zu zeigen. Es entsteht eine schwer auszugleichende Asymmetrie.

-          Fast noch dramatischer ist die schleichende Verschiebung der Wertigkeiten bei dem buddhistischen Partner (41): Hat er vielleicht anfangs die buddhistische Ausbildung mit reichlich emotionaler Distanz und mehr aus Neugierde begonnen, rückt sie doch bald in sein inneres Zentrum. Übliche Tätigkeiten und Prioritäten, die er früher mit seinem nicht-buddhistischen Partner geteilt haben mag, werden aus dem Zentrum verdrängt, wenn nicht sogar bedeutungslos; es sei denn, er steuert bewusst gegen oder die Ausbildung fruchtet nicht. Ein Lehrer sagte denn bei einem Vortrag doch tatsächlich: Wenn man merkt, dass sich der Partner nicht mit auf den Weg macht, kann man vielleicht noch eine Weile abwarten, sofern die grundsätzlichen Anlagen dafür da sind; dann sollte man sich jedoch trennen. Es gebe genug attraktive Männer und Frauen in den buddhistischen Gemeinschaften! Ups!

-          Es besteht auch die subtile Gefahr, Buddhismus, Meditation oder das Ziel der Befreiung zum Ding zu machen, welches an die Stelle der üblichen weltlichen Wertigkeiten tritt. Statt das Loslassen und die innere Befreiung zu lernen, tauscht man dann nur das Objekt seiner Fixierungen aus. Dieses manchmal unter dem Einfluss unserer Leistungskultur entstehende Phänomen führt zur Vergeblichkeit aller Bemühungen, manchmal jedoch auch zu verqueren Lebensausrichtungen.

Erläuterungen



















(40)
Da nicht nur das "Ich", sondern jegliche Annahme einer feststehenden Eigennatur / Wesenheit aufgelöst werden soll, stellt sich zu Beginn des Weges oft ein als bedrohlich empfundenes Gefühl der Leere, des Ins-Bodenlose-Fallen ein. Das Bedrohliche schwindet, sobald man festgestellt hat,

-          dass das Leben auch ohne die Annahme von feststehenden Wesenheiten und ohne das ständige Zuschreiben von feststehenden Eigenschaften weiter geht,

-          die Leere wunderbar bewohnbar ist und

-          man selbst freier, gelassen, heiter, also gelöster wird.
























(41)
Letztlich wirkt sich die Werteverschiebung nicht nur in den Paarbeziehungen aus, sondern führt zu einer ganz anderen Kommunikation mit allen Menschen: Es verlieren die üblichen Alltagsthemen an Bedeutung. Das häufigste Muster alltäglicher Kommunikation ist die Bekundung von Wertschätzung für das Ich des Gegenübers. An der Wertschätzung für ein Ich, welches er für leer hält, hat ein fortgeschrittener Buddhist nach meiner Beobachtung kein Interesse. Selber das Ich des Gegenübers zu bauchpinseln, ist für ihn nur dann von Interesse, wenn er es aufgrund des empfundenen Mitgefühls und der Lage des Gegenübers für tunlich hält; es hat aber keinen Wert an sich. Das rüttelt an der Grundlage für die meisten Bekundungen von Aufmerksamkeit, wie z.B. Rituale, Besuche, Partys, Feierlichkeiten etc., vielleicht mit Ausnahme der Rituale seiner buddhistischen Schule. Die Konsequenz ist denn auch oft eine Verlagerung des Freundeskreises in Richtung buddhistische Gemeinschaften.


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Aktualisiert am: 16.07.2008
 
         
 

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