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  29.07.2010   
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5. Weitere buddhistische Methoden

Nach der Meditation dürfte die zweitwichtigste buddhistische Lehrmethode m.E. das intellek­tuelle Verstehen der mündlichen und schrift­lichen Überlieferung sein. Das kommt uns natürlich entgegen; zumindest wenn wir es schaffen, einige typische Missverständnisse in Bezug auf die sehr unterschiedliche Erkennt­nistheorie zu vermeiden (siehe dazu unten im Abschnitt "11. Buddhismus und westliche Erkenntnis").

Allerdings kommt zu dem intellektuellen Verstehen bei buddhistischen Ausbildungen noch das Verinnerlichen als entscheidender zusätzlicher Schritt. Die Verinnerlichung kann durch Meditation erfolgen; ist die Sichtweise der Meditation fest verankert, wird sie lang­sam in den Alltag hinein gezogen (25). Die Grenze zwischen Meditation und Alltagser­fahrung verschwimmt dann teilweise. Da­­ne­­ben kann die Verinnerlichung jedoch auch dadurch erfolgen, dass aufgenommene Lehren auf  Alltagssituationen angewandt werden. Anfangs nur leichte, unproblema­tische Begebenheiten, später jedoch auch Extremsituationen werden buddhistisch beleuchtet (26). Instinktive oder einfach nur übliche Reaktionsweisen werden dadurch hinterfragt. Es tauchen neue, vorher nicht gesehene Handlungsmöglichkeiten auf; diese können sehr ungewöhnlich sein (sog. crazy wisdom). Impulsive emotionale Reaktionen werden jedenfalls in Schach gehalten - zur Not durch eine bewusste Verzögerung der Reaktion. Mit (buddhistischer) Souveränität kann es auch zu sehr spontanen Reaktionen kommen. Z.B. ist es aus dieser Souveränität heraus möglich, gegen gesellschaftliche Tabus und Konventionen zu verstoßen und auf eine tiefere Wahrheit hinzuweisen.

Womit wir uns jedoch manchmal schwerer als mit dem intellektuellen Verständnis tun, sind die Riten des buddhistischen Kultes (27). Sie sind eine Antwort auf das Bedürfnis vieler Men­schen nach einer (be-) greifbaren Reli­gion. Sie haben daher zumindest in anderen Kulturen, vielleicht jedoch auch hier eine wichtige Funktion, wiewohl sie auf manche westliche Menschen abschreckend wirken.

Erläuterungen














(25)
Es handelt sich bei der Anwendung von buddhistischen Lehren auf den Alltag erneut um eine Art kybernetische Selbststeuerung: Feste Verhaltensmuster, Wahrnehmungsweisen und Gefühle drohen das Fahrzeug vom Kurs abzubringen; man steuert bewusst gegen, woran sich jedoch über kurz oder lang ein neuer Wahrnehmungs-, Verhaltens- oder Gefühlsmodus anknüpft, gegen den man wieder ansteuert usw.. Das hört sich sehr mühsam an. Aber mit der Zeit braucht man immer weniger bewusste Lenkbewegungen. Man fährt sich von alleine buddhistisch.

(26) In Abweichung von der üblichen Dogmatik, der zufolge durch Meditation Wissen verinner­licht wird, könnte man die zuletzt beschriebene Art der Verinnerlichung für einen eigenständigen Bereich zwischen Wissen und Meditation halten. Diese Verinnerlichung muss allerdings auch von Wissen und Meditation unterstützt werden um zu funktionieren.







(27)
Je nach Schule ist man auch im Westen mit folgendem konfrontiert:

-          Ritus der Zufluchtnahme, des Schutzsuchens bei Buddha, seiner Lehre und der Gemeinschaft der Lernenden (Freunde auf dem Weg);

-          Verbeugungen (nicht nur zur Begrüßung, sondern auch als Mittel der Ich-Dekonstruktion, teilweise obligatorisch im Ausbildungszyklus);

-          Segnungen (inner- und außerhalb der Zufluchtnahme);

-          sog. Einweihungen (in bestimmte Lehren und Praktiken);

-          Gebete und Lieder zur Anrufung von Schutzgottheiten;

-          Symbolische Opferungen (nicht von Tieren, sondern z.B. von Reis).


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Aktualisiert am: 16.07.2008
 
         
 

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