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5. Weitere buddhistische Methoden
Nach der Meditation dürfte die zweitwichtigste buddhistische
Lehrmethode m.E. das intellektuelle Verstehen der
mündlichen und schriftlichen Überlieferung sein.
Das kommt uns natürlich entgegen; zumindest wenn wir
es schaffen, einige typische Missverständnisse in
Bezug auf die sehr unterschiedliche Erkenntnistheorie
zu vermeiden (siehe dazu unten im Abschnitt "11.
Buddhismus und westliche Erkenntnis").
Allerdings kommt zu dem intellektuellen Verstehen
bei buddhistischen Ausbildungen noch das Verinnerlichen
als entscheidender zusätzlicher Schritt. Die Verinnerlichung
kann durch Meditation erfolgen; ist die Sichtweise
der Meditation fest verankert, wird sie langsam in
den Alltag hinein gezogen (25). Die Grenze
zwischen Meditation und Alltagserfahrung verschwimmt
dann teilweise. Daneben kann die Verinnerlichung
jedoch auch dadurch erfolgen, dass aufgenommene Lehren
auf Alltagssituationen angewandt werden. Anfangs
nur leichte, unproblematische Begebenheiten, später
jedoch auch Extremsituationen werden buddhistisch
beleuchtet (26). Instinktive oder einfach nur
übliche Reaktionsweisen werden dadurch hinterfragt.
Es tauchen neue, vorher nicht gesehene Handlungsmöglichkeiten
auf; diese können sehr ungewöhnlich sein (sog. crazy
wisdom). Impulsive emotionale Reaktionen werden
jedenfalls in Schach gehalten - zur Not durch eine
bewusste Verzögerung der Reaktion. Mit (buddhistischer)
Souveränität kann es auch zu sehr spontanen Reaktionen
kommen. Z.B. ist es aus dieser Souveränität heraus
möglich, gegen gesellschaftliche Tabus und Konventionen
zu verstoßen und auf eine tiefere Wahrheit hinzuweisen.
Womit wir uns jedoch manchmal schwerer als mit dem
intellektuellen Verständnis tun, sind die Riten des
buddhistischen Kultes (27). Sie sind eine Antwort
auf das Bedürfnis vieler Menschen nach einer (be-)
greifbaren Religion. Sie haben daher zumindest in
anderen Kulturen, vielleicht jedoch auch hier eine
wichtige Funktion, wiewohl sie auf manche westliche
Menschen abschreckend wirken.
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Erläuterungen
(25) Es handelt sich bei der Anwendung von buddhistischen
Lehren auf den Alltag erneut um eine Art kybernetische
Selbststeuerung: Feste Verhaltensmuster, Wahrnehmungsweisen
und Gefühle drohen das Fahrzeug vom Kurs abzubringen;
man steuert bewusst gegen, woran sich jedoch über
kurz oder lang ein neuer Wahrnehmungs-, Verhaltens-
oder Gefühlsmodus anknüpft, gegen den man wieder ansteuert
usw.. Das hört sich sehr mühsam an. Aber mit der Zeit
braucht man immer weniger bewusste Lenkbewegungen.
Man fährt sich von alleine buddhistisch.
(26) In Abweichung von der üblichen Dogmatik,
der zufolge durch Meditation Wissen verinnerlicht
wird, könnte man die zuletzt beschriebene Art der
Verinnerlichung für einen eigenständigen Bereich zwischen
Wissen und Meditation halten. Diese Verinnerlichung
muss allerdings auch von Wissen und Meditation unterstützt
werden um zu funktionieren.
(27) Je nach Schule ist man auch im Westen mit
folgendem konfrontiert:
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Ritus der Zufluchtnahme, des Schutzsuchens bei Buddha,
seiner Lehre und der Gemeinschaft der Lernenden (Freunde
auf dem Weg);
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Verbeugungen (nicht nur zur Begrüßung, sondern auch
als Mittel der Ich-Dekonstruktion, teilweise obligatorisch
im Ausbildungszyklus);
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Segnungen (inner- und außerhalb der Zufluchtnahme);
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sog. Einweihungen (in bestimmte Lehren und Praktiken);
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Gebete und Lieder zur Anrufung von Schutzgottheiten;
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Symbolische Opferungen (nicht von Tieren, sondern
z.B. von Reis).
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