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  29.07.2010   
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1. Warum dieser Text?

Der Text hat zwei Ziele:

-          Zum einen soll er in einer für westliche Menschen leicht verständlichen Sprache aufzeigen, worauf buddhistische Ausbildung zielt und die Elemente der buddhistischen Ausbildung als solche beschreiben. Der Leser soll wissen: Was erwartet mich, wenn ich mich einer buddhistischen Ausbildung unterziehe? Und er soll leichter beurteilen können, ob der buddhistische Weg für ihn überhaupt geeignet ist.

-          Zum zweiten will er den Blick dafür schärfen, was kulturübergreifende buddhistische Essenz und was eine zwecks leichterer Vermittlung angenommene äußere Form des Buddhismus ist (1, 2). An Buddhismus interessierte westliche Menschen, die beides nicht trennen, laufen eine doppelte Gefahr: Sie lassen sich einerseits leicht von dem kulturellen Beiwerk der jeweiligen Übermittlungslinie ablenken oder abschrecken. Sie verpassen andererseits den unmittelbaren Zugang zu der buddhistischen Essenz, gehen also den Umweg über eine fremde Kultur mit ihren jeweiligen Glaubenssätzen und Traditionen.

Vermag man die buddhistische Essenz von dem kulturellen Beiwerk zu unterscheiden, kann man sich in Buddhismus unterweisen lassen, ohne seine eigene kulturelle Tradition austauschen zu müssen. Dies ist ein Weg, der von einem kleinen, aber wachsenden Kreis von Menschen gegangen wird. Es stellt eine Art dritter Weg neben der Ablehnung der traditionellen buddhistischen Lehrstrukturen und der bedingungslosen, zu Kritiklosigkeit führenden Eingliederung in eine ihrer Traditionslinien dar; und vielleicht ist es zumindest für rational geprägte westliche Menschen gar nicht der schlechteste (3).

Erläuterungen

Dieser Text verzichtet so weit wie möglich auf die übliche buddhistische Terminologie, um das Verständnis zu erleichtern. Wo Begriffe in einem Sinne verwendet werden, der nicht ganz unserer üblichen Bedeutung entspricht, sind sie kursiv gesetzt.







(1)
Wie andere Religionen und geistige Unterweisungssysteme auch passte sich der Buddhismus immer wieder äußeren Gegebenheiten und Bedürfnissen an, ohne seinen Kern (oder seine Essenz) dadurch zu gefährden. Eine Anpassung buddhistischer Traditionslinien an das westliche kulturelle Umfeld wurde seit dem 19. Jh. versucht, ist aber letztlich noch nicht sehr weit fortgeschritten.

(2) Die buddhistischen Traditionslinien sehen für westliche Menschen einen guten Zugang zu buddhistischen Lehren. Sie senden seit einigen Jahrzehnten in großem Stil - zum Teil hochrangige - Lehrer in den Westen. Zurecht: Der durchschnittlich hohe Bildungsgrad westlicher Menschen und die analytische Denktradition können die buddhistische Ausbildung beschleunigen. Siehe auch der Abschnitt "Buddhismus und westliche Erkenntnis".

(3) Der buddhistische Gelehrte Chandrakírti (8. Jh.) empfiehlt diese Haltung sogar für den Umgang mit der buddhistischen Lehre selbst: Der Weise "akzeptiert keine buddhistische Lehre und lehnt auch keine buddhistische Lehre ab. Sein Denken gleicht dem Raum."


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Aktualisiert am: 16.07.2008
 
         
 

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