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  06.02.2012   
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14. Praktische Fragen zur buddhistischen Ausbildung

Was kann man zur Vorbereitung einer buddhistischen Ausbildung tun, wenn man noch keinen geeigneten Lehrer / keine geeignete Schule gefunden hat? - Zweierlei: Zum einen kann man sich in den Buddhismus einlesen und mit dem buddhistischen Gedankengut den Alltag beleuchten (s.o.). Zum anderen kann man, um seinen Geist formbar zu machen, eine einfache Atemmeditation einüben. Außerdem kann man zu den nicht für optimal gehaltenen, aber erreichbaren Zentren eine lose Verbindung halten, in dem man gelegentlich einzelne Veranstaltungen besucht. Das wird fast immer akzeptiert - Buddhisten sind in der Regel offen und tolerant; es stößt freilich manchmal auf Verwunderung, da nur wenige Leute länger am buddhistischen Ball bleiben, ohne sich in eine buddhistische Gemeinschaft zu integrieren. Aber es ging schon immer, und es geht natürlich auch heute, obwohl es schwerer ist.

Welche Bücher kann man westlichen Menschen als Einstieg in die Beschäftigung mit Buddhismus empfehlen? - Verschiedene Bücher von Thich Nhat Hanh und Chögyam Trungpa (70) sowie Buddhismus für Ungläubige von Stephen Batchelor (71); letzteres eine sehr gute Annäherung gerade aus westlicher Perspektive, die Batchelor nach jahrzehntelanger buddhistischer Ausbildung zurückgewonnen hat. Als Ergänzung über die äußere Geschichte des Buddhismus: Wer den Bogen beherrscht - Der Buddhismus von Karl-Heinz Golzio (72).

Welches Buch führt am Besten in die tieferen Schichten buddhistischer Philosophie? - Nagarjuna: Merkverse der mittleren Lehre (73). Aber Achtung: Die Verse stellen teilweise auch die Meinung der damaligen Schulen und Antipoden Nagarjunas dar, die er sodann (dialektisch) widerlegen will. Außerdem sind sie extrem schwierig. Es ist umstritten, ob Nagarjuna mit diesem Text die gängige buddhistische Metaphysik wegen ihrer Oberflächlichkeit aushebeln und auf die buddhistische Essenz hinführen oder ob er die tiefere Wahrheits-/ Vermittlungsebene von Buddhas Lehre (nur) als Ergänzung zu dem üblichen Verständnis hervorheben wollte. In jedem Fall kann die Lektüre, selbst wenn man nicht alles versteht, eine Ahnung davon vermitteln, wohin die buddhistische Methode letztlich führen will; sie begründet ein Meta-Verständnis für andere buddhistische Unterweisungen. Freilich kann die Lektüre fast nie die (meditative) Verinnerlichung und den langen Umweg über leichter zugängliche Vermittlungsformen ersparen.

Welches Buch kann man als Begleitung für die fortgeschrittene Meditationspraxis empfehlen? -

Wenn jemand schon mit einer bestimmten Tradition Verbindung aufgenommen hat, sollte er zumindest anfangs auch grundsätzlich die Meditationserläuterungen dieser Tradition wählen; sonst droht (Begriffs-) Verwirrung. Erst nach einiger Zeit kann es Sinn machen zu vergleichen (74).

Ein Buch, welches gerade Menschen im Westen auf ihrem buddhistischen Weg unbedingt des öfteren konsultieren sollten, ist Spirituellen Materialismus durchschneiden von Chögyam Trungpa (75). Es geht auf häufig zu beobachtende Fehlentwicklungen ein und warnt u.a. vor folgendem: Im Westen machen mehr Menschen als andernorts aus den buddhistischen Lehren und den meditativen Erfahrungen ein Ding, welches sie scheinbar besitzen.  Damit blähen sie völlig kontraproduktiv und gefährlich das Ego auf, statt es zu entmachten.

Erläuterungen


(70)
Diese Lehrer/Autoren zeichnet neben ihrer Erfahrung mit westlichen Schülern aus, dass sie Elemente mehrerer Grundströmungen anwenden und Neulinge daher nicht festlegen.

(71) Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt a.M. (verschiedene Auflagen)

(72) dtv, München 1997

(73) Beste Übersetzung und Kommentierung von Guy Bugault: Stances du milieu par excellence, Gallimard 2002, ISBN 2-07-076730-2;

Übersetzung ins Englische von Stephen Batchelor auf www.martinebatchelor.org

(jetzt auch auf Deutsch erschienen).

Nagarjuna warf in diesem Buch jede Menge teilweise als ketzerisch empfundene Fragen auf; darunter die: Wer (oder was) ist (schon) der (historische) Buddha?

(74) Ein Buch der mir am besten vertrauten Tradition, aber sicher nicht das einzige, welches dazu geeignet ist: Mahamudra, schon im 16. Jh. von dem 9. Karmapa geschrieben. Es war revolutionär, weil praxisnah als Meditationsbegleitbuch geschrieben. Wiewohl mein Horizont natürlich beschränkt ist, wage ich die Aussage: Da steckt eigentlich alles drin. Unbedingt nur Stück für Stück lesen - und - auch die einzelnen Kapitel - nicht "vor der Zeit"!

(75) Theseus Verlag, Berlin; verschiedene Auflagen


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Aktualisiert am: 16.07.2008
 
         
 

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