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  06.02.2012   
Sie sind gerade hier: / Inhaltsverzeichnis / Kapitel 13

13. Erste Schritte auf dem Weg zu einer buddhistischen Ausbildung

-          Verschaffen Sie sich Orientierung über das buddhistische Lehrangebot in Ihrer Gegend! Ein Einstieg kann der Kauf einer buddhistischen Monatszeitschrift oder eine Internetrecherche sein (65).

-          Sammeln Sie Informationen über die in Ihrer Gegend vertretenen Schulen bzw. Richtungen!

-          Lesen Sie ein paar einführende Bücher!

-          Besuchen Sie Informationstreffen derjenigen buddhistischen Zentren, die für Sie gut zu erreichen sind und/oder nach Ihren Kriterien für Sie am geeignetsten sind! (66)

-          Verhalten Sie sich unbedingt respektvoll und gemäß den in den Zentren zu beobachtenden Gepflogenheiten, damit Sie die anderen Zentrumsbesucher nicht in ihren religiösen Gefühlen verletzen.

-          Verstellen oder verrenken Sie sich jedoch nicht! Niemand verlangt von Ihnen, sich vor einem Schrein oder einem hohen Lehrer zu verbeugen, bloß weil es andere tun. Und falls einmal doch: nichts wie weg, denn da scheint etwas schief zu laufen!

-          Fragen Sie in den Zentren zunächst danach, ob es einen festen Ausbildungsweg mit einer vorgegebenen Abfolge von Übungen gibt oder nicht. Fragen Sie weiter, ob der Ausbildungsweg verbindlich ist und prüfen Sie ggf., ob Sie sich mit diesem Ausbildungsweg anfreunden könnten.

-          Versuchen Sie, in dem Zentrum möglichst alle (Meditations-) Lehrer kennen zu lernen! Prüfen Sie die Lehrer daraufhin, ob Sie sich vorstellen können, von ihr/ihm unterrichtet zu werden (67).

-          Wenn Ihr Lehrer Ihnen etwas vorschlägt, was Sie nicht wollen: Sagen Sie es ihm. Er wird Geduld zeigen. Er ist dazu da, Sie auf Ihrem Weg als Freund (68, 70) zu begleiten; er will Ihnen nichts aufdrängen.

-          Seien Sie absolut offen zu Ihrem Lehrer und nehmen Sie seine Hinweise ernst; wenn Sie es nicht (mehr) können, suchen Sie sich einen anderen!

-          Verwechseln Sie die - manchmal überwältigende - Empathie des Lehrers nicht mit Liebe: Es ist regelmäßig keine. Fahren Sie selber keine Filme mit Ihrem Lehrer in der Hauptrolle! (69, 70)

-          Wenn Sie kein geeignetes Zentrum bzw. keinen geeigneten Lehrer finden: Lesen Sie und machen Sie einfache Meditationsübungen, sofern Ihnen die Anleitungen in Büchern hinreichend erscheinen (siehe auch im Folgenden).

-          Fahren Sie hier und da auf Vorträge oder Seminare! Verhalten Sie sich dort aber natürlich respektvoll und zurückhaltend!

-          Wenn Sie eine Veranstaltung interessiert, von der Sie meinen, dass sie nur für Eingeweihte bestimmt ist: Fragen Sie doch einfach nach, ob Sie als Gast daran teilnehmen dürfen! Meist wird man es Ihnen gestatten; oder schon die Unterscheidung Gast - Mitglied für müßig erklären.

-          Eignen Sie sich soviel Wissen an, dass Sie die buddhistische Essenz von kulturellem Beiwerk halbwegs trennen können! Nur so können Sie entscheiden, welches kulturelle Beiwerk Sie zusätzlich zum Buddhismus mit übernehmen wollen oder nicht. Denn das kulturelle Beiwerk fördert nicht immer die Vermittlung buddhistischer Inhalte.

-          Vor allem: Machen Sie sich mit dem Gedanken vertraut, dass Sie nach allen Lehren schon "potentiell erleuchtet" sind, Sie dies also "nur" entdecken müssen; begeben Sie sich mit Zuversicht, aber ohne Dünkel oder Ehrgeiz auf den Weg!

-          Tun Sie einfach, was Ihnen mit einem vertretbaren Aufwand möglich ist! Unverkrampfte, gelassene Stetigkeit ist wichtiger als Schnelligkeit.

Erläuterungen


(65)
Eine Übersicht über buddhistische Zeitschriften: www.buddhanetz.org/ .

Die beiden im deutschsprachigen Raum gängigsten Zeitschriften sind zu finden unter: www.lotusblaetter.de und www.ursache.at .

Adressdatenbank für Deutschland:

Unter Gruppen auf www.dharma.de .

Adressverzeichnisse für die Schweiz: www.sbu.net ("Gruppen") und
Österreich: www.buddhismus-austria.at
unter aktuelles Programm.

(66) Sollte man die Schulen, in denen gerade heftige Auseinandersetzungen laufen, von vornherein meiden? Unabhängig davon, dass morgen auch in einer anderen Schule Streit entstehen kann: Es ist nicht unbedingt notwendig. Entscheidend sind vielmehr die konkreten Personen, die ein bestimmtes Zentrum leiten bzw. dort als Lehrer zur Verfügung stehen. Diese leiden mithin selber sehr unter dem Konflikt, hatten sie doch womöglich auch Lehrer oder Freunde, die mittlerweile "auf der anderen Seite" stehen. Sie werden im Zweifel ihr Möglichstes tun, um den Lehrbetrieb von den Konfliktfolgen frei zu halten. Ein Belastungsfaktor sind derartige Streitigkeiten freilich schon, weshalb man sie neben anderen Kriterien bei der Wahl der Schule berücksichtigen sollte.


(67)
Möglichst sollte man auch den spirituellen Leiter des jeweiligen Zentrums kennenlernen, also z.B. den Lehrer der örtlichen Lehrer. Wenn es einen spirituellen Leiter gibt, beeinflusst er stark das Wirken der örtlichen Lehrer und steht diesen auch als Berater zur Verfügung. In schwierigen Fragen vergewissert sich der eigene Lehrer bei dem spirituellen Leiter. Wenn man zu dem spirituellen Leiter kein gutes inneres Verhältnis aufbauen kann, wird es über kurz oder lang schwierig: Er spielt stark in das eigene Verhältnis zu dem Lehrer hinein, auch wenn er meistens nur für wenige Tage im Jahr in dem jeweiligen Zentrum anzutreffen ist.

(68) Der buddhistische Lehrer gilt heute überwiegend als spiritueller Freund und Lotse des Lernenden und nicht mehr als jemand, dem man sich - nach ausgiebiger Prüfung zwar bedingungslos unterwirft. Times are a changing! Das Verhältnis zu ihm ist der Schlüssel für Fortschritte auf dem Weg, wie die Buddhisten sagen. Zwar sagen die Lehrsysteme selbst, dass Menschen in Einzelfällen auch ohne Lehrer befreit werden können (sog. Pratyekabuddhas); dies ist jedoch die absolute Ausnahme. Man sollte daher im Zweifel davon ausgehen: Ohne Lehrer geht es nicht, und noch weniger ohne Meditation als Vehikel der Einstellungsveränderung!

(69) Ein tibetisches Sprichwort lautet: "Der Guru ist wie ein Feuer. Kommst du ihm zu nahe, verbrennst du dich. Bleibst du zu weit davon entfernt, bekommst du nicht genug Wärme!"

(70) Problematische Aspekte des Geschlechter- und Lehrerverhältnisses im tibetischen Buddhismus, welcher im deutschsprachigen Raum ja dominiert, beleuchtet das Buch “Göttinnen, Dakinis und ganz normale Frauen” von June Campbell. Siehe im übrigen auch www.buddhistische-sekten.de

 


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Aktualisiert am: 16.07.2008
 
         
 

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