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12. Kann jeder Buddhist werden?
Grundsätzlich ja. Nach allen Lehren gilt: Jeder trägt
die sog. Buddhanatur in sich. Buddha selbst
lehrte auf verschiedenen dogmatischen Niveaus. Es
gibt also keine intellektuellen Mindeststandard, auch
wenn im Westen eher höhere Bildungsschichten mit Buddhismus
zu tun haben (60). Allerdings ist intellektuelles
Verstehen nach der Meditation wohl der wichtigste
Baustein buddhistischer Ausbildung. Menschen, denen
dies nicht besonders liegt, können vielleicht mit
anderen, meist künstlerischen Vermittlungsformen weiter
kommen (61).
Freilich kann Buddhismus nicht immer schwere psychische
Leiden aufheben. Das heißt nicht, dass Menschen mit
psychischen Leiden generell nicht Buddhismus praktizieren
sollten. Allerdings sinkt die Wahrscheinlichkeit,
dass er fruchtet, mit dem Maß des psychischen Leidens.
Buddhismus ist also im Regelfall kein Ersatz für eine
Therapie, auch wenn er therapieähnliche Wirkungen
haben kann und wie Therapie vom Leiden befreien will
(62).
Menschen, die schnell eine Heilserwartung erfüllt
sehen möchten, sollten vielleicht auch eher einen
Bogen um den Buddhismus machen: Buddhismus braucht
meist mindestens Jahre, bevor er verinnerlicht wird
und wirkt. Erst recht gilt das, wenn man über den
Buddhismus Zugang zu in unserer Kultur als intuitiv
bezeichnetem Wissen sucht (siehe soeben Buddhismus
und westliche Erkenntnis). (63)
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Erläuterungen
(60) Eine tibetische Geschichte als Beleg:
Ein Bauer fragt einen Lama, was er tun könne, um Erleuchtung
zu erlangen. Der Lama fragt ihn zurück: Was tust Du
den ganzen Tag? - Ich hacke mein Feld. Daraufhin sagte
der Lama dem Bauern: Denke darüber nach, ob Du jedes
mal, wenn Deine Hacke in den Boden eindringt, derselbe
bist!
Nach der Überlieferung erlangte der Bauer Erleuchtung.
(61) Eine tibetische Schule im Westen, die
auch unter Rückgriff auf japanische Traditionen künstlerische
Zugänge zum Buddhismus eröffnet, nennt sich Shambhala
(www.shambhala.org)
(62) Eine buddhistische Schule, die besonders
die therapeutische Arbeit und die Sterbebegleitung
unterstützt, ist Rigpa (s. www.rigpa.org
und www.spcare.org). Siehe aber
auch die in den USA verbreitete, von dem Professor
für Verhaltensmedizin Jon Kabat-Zinn auf Basis der
Achtsamkeitspraxis entwickelte Methode der "Mindfulness
Based Stress Reduction".
(63) Eine dritte, sehr kleine Personengruppe,
schreckt nach meiner Beobachtung faktisch häufig vor
dem buddhistischen Weg zurück: extrem fühlende, extrem
sensible Menschen; welchen Grund dies hat, weiß ich
nicht. Möglicherweise haben sie mit ihrer Zurückhaltung
recht, z.B. weil anderenfalls diese Fähigkeiten gestört
würden. Oder ahnen sie, dass die durch Buddhismus
herbeigeführte zusätzliche Intensivierung der Welt-
und Lebenswahrnehmung für sie zu viel wäre?
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