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  29.07.2010   
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12. Kann jeder Buddhist werden?

Grundsätzlich ja. Nach allen Lehren gilt: Jeder trägt die sog. Buddhanatur in sich. Buddha selbst lehrte auf verschiedenen dogmatischen Niveaus. Es gibt also keine intellektuellen Mindeststandard, auch wenn im Westen eher höhere Bildungsschichten mit Buddhismus zu tun haben (60). Allerdings ist intellektuelles Verstehen nach der Meditation wohl der wichtigste Baustein buddhistischer Ausbildung. Menschen, denen dies nicht besonders liegt, können vielleicht mit anderen, meist künstlerischen Vermittlungsformen weiter kommen (61).

Freilich kann Buddhismus nicht immer schwere psychische Leiden aufheben. Das heißt nicht, dass Menschen mit psychischen Leiden generell nicht Buddhismus praktizieren sollten. Allerdings sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass er fruchtet, mit dem Maß des psychischen Leidens. Buddhismus ist also im Regelfall kein Ersatz für eine Therapie, auch wenn er therapieähnliche Wirkungen haben kann und wie Therapie vom Leiden befreien will (62).

Menschen, die schnell eine Heilserwartung erfüllt sehen möchten, sollten vielleicht auch eher einen Bogen um den Buddhismus machen: Buddhismus braucht meist mindestens Jahre, bevor er verinnerlicht wird und wirkt. Erst recht gilt das, wenn man über den Buddhismus Zugang zu in unserer Kultur als intuitiv bezeichnetem Wissen sucht (siehe soeben Buddhismus und westliche Erkenntnis). (63)

Erläuterungen

(60) Eine tibetische Geschichte als Beleg: Ein Bauer fragt einen Lama, was er tun könne, um Erleuchtung zu erlangen. Der Lama fragt ihn zurück: Was tust Du den ganzen Tag? - Ich hacke mein Feld. Daraufhin sagte der Lama dem Bauern: Denke darüber nach, ob Du jedes mal, wenn Deine Hacke in den Boden eindringt, derselbe bist!

Nach der Überlieferung erlangte der Bauer Erleuchtung.

(61) Eine tibetische Schule im Westen, die auch unter Rückgriff auf japanische Traditionen künstlerische Zugänge zum Buddhismus eröffnet, nennt sich Shambhala (www.shambhala.org)




(62)
Eine buddhistische Schule, die besonders die therapeutische Arbeit und die Sterbebeglei­tung unterstützt, ist Rigpa (s. www.rigpa.org und www.spcare.org). Siehe aber auch die in den USA verbreitete, von dem Professor für Verhaltensmedizin Jon Kabat-Zinn auf Basis der Achtsamkeitspraxis entwickelte Methode der "Mindfulness Based Stress Reduction".

(63) Eine dritte, sehr kleine Personengruppe, schreckt nach meiner Beobachtung faktisch häufig vor dem buddhistischen Weg zurück: extrem fühlende, extrem sensible Menschen; welchen Grund dies hat, weiß ich nicht. Möglicherweise haben sie mit ihrer Zurückhaltung recht, z.B. weil anderenfalls diese Fähigkeiten gestört würden. Oder ahnen sie, dass die durch Buddhismus herbeigeführte zusätzliche Intensivierung der Welt- und Lebenswahrnehmung für sie zu viel wäre?


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Aktualisiert am: 16.07.2008
 
         
 

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