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10. Gibt es Alternativen zum Buddhismus?
Gewiss, auf alle Fälle. Auch andere Glaubensrichtungen
(55) bieten wirkungsvolle mentale / innere Ausbildungen
und manche sogar zusätzliche Schulungen bzw. reichhaltige
körperliche Erfahrungen an. Und keineswegs nur auf
dem buddhistischen Weg lässt sich so etwas wie Befreiung
/ Erleuchtung erzielen. Die Welterklärungen dieser
Glaubensrichtungen sind teilweise umfassender, freilich
meist auch schwerer mit dem modernen westlichen Weltbild
in Einklang zu bringen. Fast durchweg haben sie nach
meinem Kenntnisstand mehr weltanschaulichem Ballast
und weniger Toleranz gegenüber anderen Weltanschauungen.
Sie sind deshalb schlechter mit dem westlichen relativistischen
bis agnostischen Weltbild zu vereinbaren. Anders als
im buddhistischen Lehrbetrieb wird es in anderen Schulungen
nur selten möglich sein, Methoden mentalen / spirituellen
Trainings zu lernen, ohne Bekenntnisse zu einem Gott
abgeben zu müssen (56). Es fehlt einfach meist
an der Gelassenheit im Umgang mit den Glaubenssätzen
des jeweiligen kulturellen Gepäcks. Will man nicht
fremde Glaubenssätze unterschreiben, ist Buddhismus
daher sehr attraktiv, wenn nicht gar alternativlos.
Nicht zufällig erhält der Buddhismus im Westen derzeit
so viel Zuspruch.
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Erläuterungen
(55) Einige Gemeinschaften seien hier stellvertretend
genannt:
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Freimaurer,
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Templer,
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Rosenkreuzer,
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(andere) christliche Mystiker,
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die jüdische Mystik,
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Sufi-Gemeinschaften,
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verschiedenste Gemeinschaften des indischen Kulturraums,
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Schamanen (Sammelbegriff für höchst verschiedene Traditionen).
Die meisten Autoren gehen übrigens davon aus, dass
eine große Ähnlichkeit zwischen den von diesen Gemeinschaften
angestrebten mystischen Erfahrungen besteht. Die begriffliche
Einbettung und das Weltbild unterscheiden sich jedoch
erheblich.
(56) Kennt der Buddhismus Götter? Buddha wird
zwar in volkstümlichen Buddhismus-Formen wie ein Gott
verehrt; er ist jedoch nach der buddhistischen Dogmatik
kein Gott, sondern einfach nur Mensch. Die verschiedenen
Buddha-Darstellungen und die im tibetischen Buddhismus
verwendeten Götter kann man als bildliche Vehikel
sehen, welche auf dem buddhistischen Weg unterstützen
sollen: als vorgestellte Beschützer und Identifikationsfiguren.
Da diese überwiegend schon von der vorbuddhistischen
Bön-Religion in Tibet verehrten Götter als Hilfsmittel
und nicht als Götter im westlichen Sinne betrachtet
werden, stört sich auch kein halbwegs weiser Buddhist
daran, wenn ein Westler sie nicht verwenden will;
er findet es höchstens schade. Allerdings warnt eine
Autorin davor, anzunehmen, dass tibetische Lamas trotz
der Leerheit dieser Götter nicht auch deren
Existenz als wie ein Mensch autonom handelnde Wesen
annehmen würde (vgl. www.martinebatchelor.org/daylight.html).
Es gibt also ein Interpretationsspektrum innerhalb
der tibetisch-buddhistischen Dogmatik und oft sogar
aus dem Munde eines und desselben Lehrers! Mit dem
Kern buddhistischer Unterweisung haben diese Götter
freilich nichts zu tun: Sie sind kulturelles Beiwerk,
das - wie ein tibetischer Lama selbstkritisch schreibt
- den Westlern mit dem Buddhismus vermischt aufgetischt
wird. Dieser Eintopf sei schwerverdaulich und führe
mangels Erläuterung dazu, dass Lehrsätze theistisch
missverstanden würden (vgl. www.siddharthasintent.org/).
M.E. kann man dieser Gefahr begegnen, indem man sich
soviel Wissen aneignet, dass man die buddhistische
Essenz von kulturellem Beiwerk trennen kann. Hat man
dieses Wissen, kann man sich noch immer - aus pragmatischen
Gründen oder weil man sich in die andere Kultur hineinbegeben
will - auf das Beiwerk einlassen.
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